Veröffentlicht am 20. Juni 2013 · in Handels- und Gesellschaftsrecht

Der Verwässerungsschutz im Beteiligungsvertrag


Im Rahmen der beabsichtigten Durchführung mehrerer Finanzierungsrunden werden sich Investoren sowie Gesellschafter regelmäßig mit der Verwässerung ihrer Anteile auseinandersetzen und sich im Beteiligungsvertrag möglicherweise gegen folgende Szenerien absichern.

Erhöhung des Stammkapitals
Durch die Ausgabe neuer Geschäftsanteile (Shares) an weitere Investoren verringert sich die prozentuale Anteilsquote der Alt-Gesellschafter am Stammkapital. Grundsätzlich sind die Alt-Gesellschafter hiervon durch ihr gesetzliches Bezugsrecht geschützt. Diese können also ihren prozentualen und stimmrechtlichen Anteil an der Gesellschaft durch den gezielten Zukauf neuer Geschäftsanteile bewahren.

Die sogenannte „Down-Round“
Erhält das Unternehmen aber zum Zeitpunkt der Nachfinanzierung eine niedrigere Bewertung als bei früheren Finanzierungsrunden, wird von einer sogenannten Down-Round gesprochen. Die neuen Investoren können in so einem Fall durch die von ihnen zu leistende Investitionssumme verhältnismäßig mehr Anteile erwerben als die Alt-Investoren bei einer vorhergehenden Finanzierungsrunde erhalten haben. Hiervor können sich die Investoren im Beteiligungsvertrag durch sogenannte Anti-Dilution- oder Verwässerungsschutzrechte („Down-Round-Protection“) schützen.
Solche Regelungen sollten in einem Beteiligungsvertrag so präzise wie möglich formuliert sein. Zu denken ist dabei an Vertragsklauseln, welche den Investor rückwirkend wirtschaftlich so stellt, als wenn er in der vorhergehenden Finanzierungsrunde zu dem Preis der gegenwärtigen Down-Round gekauft hätte, sog. „Full-Rachet Anti-Dilution-Recht“. Zu denken ist auch an eine sogenannte „Weighted-Average“ Vereinbarung. Bei dieser werden die jeweiligen Anteilspreise zueinander ins Verhältnis gesetzt. Dann ein sogenannter Durchschnittswert ermittelt, was wiederum durch die Einbeziehung sehr enger Faktoren „Narrow-based-Average“ als auch durch die Berücksichtigung mehrer Faktoren „Broad-based-Weighted-Average“ geschehen kann.
Auch sind sogenannte „Pay-to-Play“-Klauseln denkbar, bei denen nur Investoren profitieren sollen, welche auch bei späteren Investitionsrunden Interesse bekunden.

Fazit
Verwässerungsschutzrechte sind sinnvoll und ein wirksames Instrumentarium. Wie dargestellt, können derartige Klauseln in einer Vielzahl von Formen auftauchen und sollten – wie bereits erwähnt – so präzise wie möglich formuliert werden. Bei dieser Vielzahl von Möglichkeiten sollten sich Gründer und Investoren sich ihrer Interessen bewusst sein und ihren Verhandlungsspielraum voll ausnutzen.

Autor: Ben Creyels

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